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#51 2017-09-06 11:26:47

wambacher
Member
From: Schlangenbad/Wambach, Germany
Registered: 2009-12-16
Posts: 14,006
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

slhh wrote:

Das muss jetzt natürlich nicht unbedingt bedeuten, das man das Gebiet der EU mehrstufig letztlich aus Gemeinden oder Ortsteilen zusammensetzt. Man kann da zum Beispiel auch abgestuft vorgehen:

Man bildet aus Ortsteilen Gemeinden und aus Gemeinden Landkreise. Für Bundesländer könnte man neu mit dem Erstellen der Grenze aus Wegen ansetzen. Hier bietet es sich an, jeweils die Grenzabschnitte, an denen sich zwei Bundesländer berühren, zunächst in einer routenartigen Relation zu einem Grenzsegment zusammenzufassen. Daraus können dann die Grenzen des Bundeslandes und übergeordneter Ebenen gebildet werden. Man hat dann die Vielzahl der Relationen nicht direkt an den Wegen. Alternativ können die höheren Ebenen auch wieder durch Gebietsaddition aus den Bundesländern erstellt werden.

Ich habe befürchtet, dass jemand diesen Vorschlag machen würde - zumindest mal über den Tellerrand von DE geschaut, aber OSM läuft nun mal weltweit.

es gíbt grob gesagt, zwei Fälle:
- eine Fläche ist die Summe aller seiner "Unterflächen"
- es fehlen "Unterflächen" oder es gibt andere Unstimmigkeiten

Der erste Fall sieht auf den ersten Blick simpel aus, ist es aber nicht:

DE besteht zur Zeit aus 11162xAL8, 399xAL6 und 16xAL4. (AL5 und AL7 mal ausgeklammert) (*1). Damit du die vollständige Fläche von DE daraus erhälst, musst du 12577 Grenzen laden und deren "Summe" bilden. (*2) Dafür brauch mein nicht gerade langsamer Server ca 90 Sekunden, wobei er dafür eine spezielle Tabelle benutzt, die jede Nacht in ca 6 Stunden Rechenzeit (weltweit) neu erzeugt wird.

tn_germany_al_4_6_8.png

In den meisten der anderen Länder (auch in Europa) fehlen Grenzen und es gibt sogar missverständliche Überlappungen - von den Disputed Areas mal ganz abgesehen. Gilt übrigens auch für DE/NL!

Der Ansatz "wir zählen alles zusammen und dann ergibt sich das Land" ist illusorisch.

Zudem verstehe ich nicht, wieso schon wieder jemand gerade das ändern will, was wirklich funktioniert. Allerdings könnte man darüber nachdenken, manche nicht-admin Grenzen durch Zusammenlegung einiger Grenzen zu ersetzen - wenn das technisch überhaupt geht.

Gruss
walter


1) Ich muss mal wieder überprüfen, ob nicht dioch irgendwo ein AL8 fehlt, aber die Größenordnung sollte ok sein wink

2) ok, du kannst einige Grenzen herausoptimieren (14 AL4 und die "echten" Kreise) aber das bringt geschätze 300 weniger.

Last edited by wambacher (2017-09-06 11:29:19)

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#52 2017-09-06 11:33:00

jengelh
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Posts: 14

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Prince Kassad wrote:

Aus meiner Sicht scheitert es daher bei den Boundaries an der Überprüfbarkeit. Jede denkbare Quelle wäre "Vertraulich - Nur für den Dienstgebrauch" und damit nicht für OSM nutzbar.

Straßenlisten sind Anlagen zu geltenden Rechtstexten, tauchen im Amtsblatt als Anhang auf (was von anderen immer wieder für alles mögliche herangezogen wird).

Prüfbar ist das auch ohne Listen. Man muss sich nur mal dazu durchringen, den Mund aufmachen und ein paar Nachbarn nett nach dem entsprechenden Sachverhalt zu fragen. Sozusagen die dritte Stufe nach Sesselmapper und Laufmapper, wo dann auch Sozialkompetenz mit dabei ist. Da kriegt man dann mit, ob eine Gartenkolonie nur verpachtetes Land ist, ob ein Verein dazugehört, oder ob er gar nach BKleinG operiert. Nur weil einigen der Aufwand einer Mappingstufen zu hoch erscheint, sind nicht gleich alle fernen Hochseebojen mit dem Argument "für mich nicht prüfbar" zu entfernen.

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#53 2017-09-06 11:39:59

Prince Kassad
Member
Registered: 2013-10-18
Posts: 1,454

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Ist das die Zukunft von OSM? Muss man sich wie ein Staubsauger-Vertreter durch die ganze Stadt hangeln und jeden einzelnen fragen "Wo geht Ihr Kind zur Schule?"

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#54 2017-09-06 11:41:19

errt
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Registered: 2009-12-01
Posts: 1,047

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Naja, die Arbeit, die gestückelten Gebiete wieder zusammenzusetzen müsste ja nicht jeder selbst machen. Es gibt ja jetzt schon Grenzen als eigene Datensätze herunterzuladen, die Erstellung dieser Datensätze wäre für den Anbieter halt ein bisschen aufwendiger.
Überlappungen bei umstrittenen Gebieten sollten eigentlich auch nicht das Riesenproblem sein. Wenn du nur das eine Gebiet nimmst, wird (ist ja bisher auch schon so), alles umstrittene da halt dabei sein. Wenn du die Summe aus beidem bildest, muss man halt eine Operation verwenden, die damit umgehen kann und das doppelte Gebiet nur einmal einfügt. Sollte doch möglich sein, oder?
Am schwierigsten sind denke ich fehlende und kaputte Teilgebiete. Andererseits wäre vielleicht gerade das ein Anreiz und eine Möglichkeit, bessere Qualität bei Gemeindegrenzen, etc. zu bekommen, weil Fehler schneller mehr Leuten auffallen. Und wenn ein Land noch nicht bis zur letzten Gemeinde erfasst ist, dann würde es für dieses Land ja auch erstmal ausreichen, es aus größeren Untereinheiten zusammenzusetzen. Im Prinzip würde die Relation für Deutschland auf die Relation für sagen wir das Saarland verweisen und ob das jetzt direkt eine Grenze des ganzen Saarlandes ist (weil die Landkreise noch nicht vollständig erfasst sind) oder diese Relation ihrerseits auf Relationen für Landkreise verweist, wäre dann ja egal.
Aber grundsätzlich hast du Recht, für eine Recht komplizierte Sache funktionieren Grenzen aktuell doch so gut, dass man da nicht unbedingt primär dran schrauben muss.

@woodpeck: Genau das, was ich schon gesagt habe: Wir wollen zwar nicht unbedingt Zustände wie in der Wikipedia, aber Relevanzkriterien haben wir jetzt schon und werden wir auch in Zukunft brauchen.

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#55 2017-09-06 13:55:54

jengelh
Member
Registered: 2015-01-05
Posts: 14

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Prince Kassad wrote:

Ist das die Zukunft von OSM? Muss man sich wie ein Staubsauger-Vertreter durch die ganze Stadt hangeln und jeden einzelnen fragen "Wo geht Ihr Kind zur Schule?"

Höre ich da eine Abneigung gegenüber VertreAußendienstmitarbeitern? :-) OSM entsteht auf freiwilliger Basis, du musst dich zu nichts verpflichtet fühlen, eine monatliche Quote gibt es ebenso wenig.
Erhebungen lassen sich optimieren, das ist z.B. auch beim Feature der Niederspannungs-Transformatorenstationen anwendbar wo man ganze Straßenzüge genauso überspringen kann.

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#56 2017-09-06 21:23:04

lutz
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

woodpeck wrote:

Ohne Relevanzkriterien geht es nicht.

Natürlich braucht es Relevanzkriterien, aber eher in der Form, was steht an erster, zweiter, dritter Stelle usw.
Sind diese einmal klar definiert, kann der Editor mit verschiedenen Relevanzstufen den Durchschnittsmappers falls der wirklich existiert schützen.

Grüße von Lutz

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#57 2017-09-06 21:32:41

errt
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Registered: 2009-12-01
Posts: 1,047

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Das kann nicht funktionieren. Zeigt der Editor nicht alle Daten an, macht der Mapper schnell mehr kaputt als ganz. Denn die Objekte stehen ja in Beziehung zueinander. Und wie gesagt: Wir haben ja bereits Relevanzkrititerien von der Form "das gehört nicht in die Datenbank", Erfundenes zum Beispiel.

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#58 2017-09-07 04:57:21

lutz
Member
Registered: 2007-08-18
Posts: 1,373
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

errt wrote:

Das kann nicht funktionieren.

Da wird es sicher Lösungen geben, der Wille natürlich vorausgesetzt...

Grüße von Lutz

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#59 2017-09-07 07:56:43

toc-rox
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From: Münster
Registered: 2011-07-20
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

lutz wrote:

Das kann nicht funktionieren. Zeigt der Editor nicht alle Daten an, macht der Mapper schnell mehr kaputt als ganz.

Das sehe ich nicht so. Der Schlüssel einer möglichen Lösung dürfte in der strikten Trennung von realen und virtuellen Objekten liegen. Aber das ist ja schon weiter oben ausgeführt ...


Das Handeln jedes Einzelnen kann Teil eines gemeinsamen Paradieses sein.

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#60 2017-09-11 11:21:04

LogicalViolinist
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Registered: 2016-11-18
Posts: 11

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Ich stimme zu, dass historische Grenzen in eine andere Datenbank verschoben werden sollten. Wie andere schon gesagt haben, können Land, Provinz und Stadtgrenzen nicht verifizierbar sein (abgesehen von dem gelegentlichen Zeichen), aber es hilft bei der Geolokalisierung und Datenextraktion. Wenn wir nicht wieder mit "addr: is_in" und "addr: city"

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#61 2017-09-11 20:02:44

lutz
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Registered: 2007-08-18
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

@LogicalViolinist ???

Nichts ist verifizierbarer als historische Daten.
Die sind geschehen, dokumentiert, besungen, da wurden Gedichte und Bücher drüber geschrieben und Filme gedreht.
Egal was gemappt wird, die Pflicht (falls es eine gibt) eines Mapper bedeutet immer Augenmaß zu behalten.
Theoretisch könnte ich eine Gegend mit Punkten, Linien oder Flächen von real vor Ort existierenden Dingen zupflastern,
das jeder Neuling sofort den Editor wieder schließt und verschwindet.
Mach ich aber nicht, nur ab diesem Punkt greift das Argument irgendwelche Daten stören den "normalen Mappern" (sind mir persönlich lieber als die "unnormalen Mapper") nicht mehr.
Tut mir Leid, aber wenn bei so einer Diskussion jemand mit Kreuzungen und Kreisverkehren kommt, den kann ich einfach nicht ernst nehmen...
Warum sollen Daten wie die Teilung Berlins, die alten Grenzen, Geschichte die die ganze Welt kennt nicht in eine freie Geodatenbank?
Aber die Anzahl der Bretter der Rückenlehne einer Parkbank ist von  "Relevanz".
Ich habe noch keine vernünftige Erklärung dieser ständigen Versuche historisch bedeutsamer Objekte auszuschließen gehört.
Ich vermute mal, es ist einfach nur Angst irgendwas nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen, Angst vor dem Neuen und sich ständig Weiterzuentwickeln!

Grüße von Lutz

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#62 2017-09-11 21:12:02

kreuzschnabel
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From: Taunusstein ± 1300 km
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

lutz wrote:

Tut mir Leid, aber wenn bei so einer Diskussion jemand mit Kreuzungen und Kreisverkehren kommt, den kann ich einfach nicht ernst nehmen...

Dieser hirnamputierte Volltrottel hat damit ironisch die Relevanzfrage illustriert, wie du es hier …

lutz wrote:

Aber die Anzahl der Bretter der Rückenlehne einer Parkbank ist von  "Relevanz".

… ebenfalls tust. Also: Wo ziehen wir die Grenze zwischen abgebauter Berliner Mauer und abgebauter Kreuzung? Irgendwo dazwischen muss sie sein.

--ks


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Mein OSM-Tutorial auf Deutsch

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#63 2017-09-11 21:49:40

lutz
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Registered: 2007-08-18
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Es braucht keine Grenze, sondern Augenmaß, und Vertrauen in den Mapper...

Grüße von Lutz

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#64 2017-09-11 22:03:45

woodpeck
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

lutz wrote:

Nichts ist verifizierbarer als historische Daten.

Erstmal ist das in dieser Allgemeinheit falsch; ziemlich viel ist auch unter Historikern einfach unklar oder unbekannt.

Für OSM bin ich ein großer Freund der ausreichend einfachen Verifizierbarkeit vor Ort. Wenn da irgendwas ist, und ich kann als normaler Mensch ohne Spezialausbildung (in Pflanzenkunde, Geschichte oder Geologie) hingehen und sehen: Stimmt, dieser Laden heisst tatsächlich so, oder diese Bank hat tatsächlich eine Rückenlehne - dann soll's mir recht sein.

Probleme habe ich, wenn die Überprüfbarkeit vor Ort nicht gegeben ist, weil sie Spezialwissen, Spezialakten oder Spezialgeräte erfordert. Das kann bei gegenwärtigen Daten sein (zum Beispiel "hier ist die Grenze des Schulbezirks X", "hier startet einmal im Jahr das große Fahrradrennen", "der Baum hier ist 107 Jahre alt", "an dieser Stelle befindet sich ein unterirdisches Ölvorkommen"), eher noch aber bei historischen ("hier stand mal ein Haus", "hier fuhr mal eine Eisenbahn", "hier kamen bei der Völkerwanderung die Kelten durch"). Da fürchte ich einerseits, dass wir zu viel in Streit-Gebiete abgleiten ("nein, Professor X hat eindeutig festgestellt, dass die Kelten 10km weiter nördlich durchkamen" - "aber Professor Y hat hier eine alte keltische Tabakdose ausgegraben", usw.), andererseits auch, dass wir zu viel Informationen erfassen, deren Bearbeitung Expertenwissen voraussetzt; die Datenbank ist dann voll mit Zeugs, das sich ein normaler Mapper, der einfach mal eben eine neu gebaute Straße eintragen möchte, nicht anzufassen traut und das letztendlich jeden Neuling zum Mapper im Porzellanladen macht.

Ich will aber keine Experten-Projekt-Kathedrale, vor der der Neuling staunend steht und sie bewundert. Ich will eine Datenbank mit Sachen, die jeder Idiot, wenn er denn will, selbst überprüfen kann, indem er die Füße in die Hand nimmt und sich dorthin bewegt. Ich will keine Theorien, Geschichten, Pläne, Ideen in OSM, sondern die "anfassbare" Realität.

Natürlich gibt es keine Regel ohne Ausnahmen, und auch ich sehe den Nutzen von nicht-beobachtbaren Admingrenzen ein, oder den Nutzen der Namen un-beschilderter Wälder und Seen. Diese Dinge haben unbestritten einen hohen Nutzen für viele, und unbestritten auch eine erschwerte Überprüfbarkeit. Aber, so meine Meinung, solche Sachen sollten die Ausnahme bleiben. Wir sollten vom Prinzip der vor-Ort-Überprüfbarkeit (und dabei meine ich nicht "vor Ort im Rathaus" oder "vor Ort im Heimatmuseum" oder "vor Ort in der Bibliothek") nur dort abweichen, wo es unbestritten einen hohen Nutzen gibt. Ich wehre mich entschieden gegen die Argumentation, nur weil wir an einer Stelle eine Ausnahme machen (Admingrenzen), könnten wir deswegen auch jeden anderen nicht vor Ort überprüfbaren Firelefanz in die Datenbank speisen.

Bye
Frederik

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#65 2017-09-11 22:20:04

lutz
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Hallo,

es ist schon spät, und ich muss früh raus.
Nur kurz das gesamte Bahnmappen ist Spezialwissen, ich wußte vor OSM nicht mal was gauge heißt.
Ebenfalls die Strommasten-Sachen.
Öffentlicher Nahverkehr, ohne intensives Studium nicht zu mappen.
Die Überprüfbarkeit vor Ort läßt OSM an einem gewissen Punkt auf der Stelle treten,
und der Mapper wird nur noch zum reinen kreativlosen Datensammler degradiert...

Grüße von Lutz

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#66 2017-09-11 22:52:51

streckenkundler
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

lutz wrote:

Es braucht keine Grenze, sondern Augenmaß, und Vertrauen in den Mapper...

+1

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#67 2017-09-12 06:41:51

toc-rox
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

woodpeck wrote:

Wir sollten vom Prinzip der vor-Ort-Überprüfbarkeit (und dabei meine ich nicht "vor Ort im Rathaus" oder "vor Ort im Heimatmuseum" oder "vor Ort in der Bibliothek") nur dort abweichen, wo es unbestritten einen hohen Nutzen gibt. Ich wehre mich entschieden gegen die Argumentation, nur weil wir an einer Stelle eine Ausnahme machen (Admingrenzen), könnten wir deswegen auch jeden anderen nicht vor Ort überprüfbaren Firelefanz in die Datenbank speisen.

Welche Maßnahmen / Aktionen leiten sich daraus ab?


Das Handeln jedes Einzelnen kann Teil eines gemeinsamen Paradieses sein.

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#68 2017-09-12 07:38:54

woodpeck
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

lutz wrote:

Nur kurz das gesamte Bahnmappen ist Spezialwissen, ich wußte vor OSM nicht mal was gauge heißt.
Ebenfalls die Strommasten-Sachen.
Öffentlicher Nahverkehr, ohne intensives Studium nicht zu mappen.

Das sind alles Sachen, die von einer kleinen Fangemeinde vorangetrieben werden und wo 99% der Mapper die Augen verdrehen und sagen "naja, wer's mag". Auf der einen Seite putzig, auf der anderen Seite aber schon viel zu viel Detail. Wenn sich wieder mal zwei Bahnmapper streiten, ob irgendwas eine Haupt- oder eine Nebenstrecke ist, kann der Normalmapper nur noch da stehen und mit den Schultern zucken. Man lässt die Leute gewähren, weil man sich denkt "naja, so eine ÖPNV-Karte ist schon auch praktisch", aber es ist in meinen Augen extrem grenzwertig.

In immer mehr Spezialgebieten möchten sich Leute zusammentun und gemeinsam eine Karte machen, und OSM scheint dankbares Vehikel dafür. Wenn der hypothetische deutsche Pilzfreundeverein seine Mitglieder auffordern möchte, das Vorkommen bestimmter Pilze zu kartieren, was ist leichter: Selbst eine Serverinfrastruktur aufzusetzen, oder einfach jedem sagen, er soll seine Pilzbeobachtungen bei OSM einkippen und dann schnell eine Overpass-Abfrage dafür zusammenstricken? So entstehen mit der Zeit immer mehr Parallel-Universen in OSM, die der normale Mapper bestenfalls noch mit einem Filter aus seinem JOSM raushalten kann, weil er von den Daten nämlich keine Ahnung hat. Finde ich nicht gut.

Die Überprüfbarkeit vor Ort läßt OSM an einem gewissen Punkt auf der Stelle treten,

Ja, genau das wünsche ich mir: Bis hierhin und nicht weiter. Wo die Überprüfbarkeit aufhört, da sollen die Leute bitteschön auf der Stelle treten und nicht munter weiter marschieren.

und der Mapper wird nur noch zum reinen kreativlosen Datensammler degradiert...

Es gibt viele Eigenschaften, die einem Mapper gut zu Gesicht stehen: Sorgfalt, Ausdauer, Geduld, vielleicht sogar ein Hauch Perfektionismus, die Freude am Entdecken oder auch Teamgeist. Aber Kreativität ist das letzte, was ich von einem Mapper erwarte. Im Gegenteil, die Kreativen revertieren wir in der Regel zuerst wink

Bye
Frederik

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#69 2017-09-12 07:41:01

woodpeck
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Registered: 2009-12-02
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

toc-rox wrote:

Welche Maßnahmen / Aktionen leiten sich daraus ab?

Leider habe ich noch nicht den Gott-Status erreicht, bei dem sich automatisch irgendwas daraus ableitet, wenn ich meine Meinung sage. Ich hoffe, dass ein paar Leute lesen, was ich schreibe, und wenn sie das nächste Mal irgendeinem kaum verifizierbaren Humbug in OSM begegnen, wenigstens wissen, dass sie nicht allein darin sind, das fragwürdig zu finden.

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#70 2017-09-12 07:54:23

toc-rox
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

woodpeck wrote:

Leider habe ich noch nicht den Gott-Status erreicht, bei dem sich automatisch irgendwas daraus ableitet, wenn ich meine Meinung sage. Ich hoffe, dass ein paar Leute lesen, was ich schreibe, und wenn sie das nächste Mal irgendeinem kaum verifizierbaren Humbug in OSM begegnen, wenigstens wissen, dass sie nicht allein darin sind, das fragwürdig zu finden.

Eine konzeptionelle Problematik kann man (nachhaltig) nicht operativ, sondern nur konzeptionell lösen. Und hier etwas auf die Bahn zu bringen, ist nach meinem Verständnis eine Aufgabenstellung für den OSM-Vorstand.


Das Handeln jedes Einzelnen kann Teil eines gemeinsamen Paradieses sein.

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#71 2017-09-12 07:55:51

kreuzschnabel
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From: Taunusstein ± 1300 km
Registered: 2015-07-03
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

woodpeck wrote:
lutz wrote:

und der Mapper wird nur noch zum reinen kreativlosen Datensammler degradiert...

Es gibt viele Eigenschaften, die einem Mapper gut zu Gesicht stehen: Sorgfalt, Ausdauer, Geduld, vielleicht sogar ein Hauch Perfektionismus, die Freude am Entdecken oder auch Teamgeist. Aber Kreativität ist das letzte, was ich von einem Mapper erwarte. Im Gegenteil, die Kreativen revertieren wir in der Regel zuerst wink

Ich bin erst kurz dabei, nehme aber eine deutliche Schieflage wahr: Während die einen Themen bis ins letzte Detail gemappt sind (z.B. die erwähnten Bahnstrecken, wo am Weichenvorfeld jedes Signal mit Typ und ref eingetragen ist), fehlen in derselben Gegend nur ein paar hundert Meter weiter noch sämtliche Bäche, die vom Hügel zu Tale rauschen und die nicht gerade winzig sind. Oder es fehlen noch fast alle Tracks, die die Felder durchziehen und über die sich OSM-nutzende Wanderer / Spaziergänger eher freuen würden als über das Datum der letzten Auswechslung des Leuchtmittels eines Bahn-Lichtsignals.

Ich wäre dafür, einen gewissen Mindeststandard pro km² festzulegen, eine Liste von allgemein kartenwürdigen Features (Waldflächen, Wege, Wasserläufe, Bebauung), die zu sagenwirmal mindestens 80 Prozent gemappt sein sollten, bevor man sich der Farbe der Rückenlehnen von Sitzbänken zuwendet.

--ks


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#72 2017-09-12 09:31:06

Prince Kassad
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

kreuzschnabel wrote:

Ich wäre dafür, einen gewissen Mindeststandard pro km² festzulegen, eine Liste von allgemein kartenwürdigen Features (Waldflächen, Wege, Wasserläufe, Bebauung), die zu sagenwirmal mindestens 80 Prozent gemappt sein sollten, bevor man sich der Farbe der Rückenlehnen von Sitzbänken zuwendet.

Man kann den Leuten nicht vorschreiben was sie zu mappen haben. Für mich sind "traditionelle" Themen wichtig, also Hausnummern (Gebäude nur so grob, dass man weiß dass da ein Haus steht, aber ohne jetzt jede Gartenhütte und jedes Planschbecken zu mappen), Straßen mit Geschwindigkeits- und sonstigen Beschränkungen, daneben aber auch z. B. Telefonzellen, Briefkästen mit Leerungszeit und ref, oder auch Rettungspunkte. Andere Leute setzen andere Prioritäten und bevorzugen es z. B., Hydranten einzuzeichnen. Das kann man ihnen m. E. nicht verbieten.

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#73 2017-09-12 09:35:18

SimonPoole
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Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

Was Frederik nicht erwähnt hat, dabei weiss er es viel besser als ich, ist das der Erfolg von OSM (historisch) sehr wahrscheinlich genau darauf beruht, dass einerseits OSM selbst keine auf eine bestimmte Zielgruppe spezialisiertes Projekt ist, anderseits man sich themenspezifisch trotzdem austoben kann wenn man so will.

Ich gehe auch davon aus, dass bei den ach so bösen Eisenbahn- und Strommapper, die Heimatgegend sehr wohl super gut gemappt ist. Ich sehe jetzt überhaupt kein Grund zu verlangen, dass zuerst X gemappt werden muss bevor unabhängiges Feature Y erfasst werden darf.

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#74 2017-09-12 09:49:04

chris66
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From: Germany
Registered: 2009-05-24
Posts: 7,709

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

kreuzschnabel wrote:

Ich wäre dafür, einen gewissen Mindeststandard pro km² festzulegen, eine Liste von allgemein kartenwürdigen Features (Waldflächen, Wege, Wasserläufe, Bebauung), die zu sagenwirmal mindestens 80 Prozent gemappt sein sollten, bevor man sich der Farbe der Rückenlehnen von Sitzbänken zuwendet.

Nein, man kann die Mapper zu nichts zwingen.


Faktum des Tages: Geld allein macht nicht glücklich, man muss schon Bier dafür kaufen.

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#75 2017-09-12 10:27:18

errt
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Registered: 2009-12-01
Posts: 1,047

Re: Boundaritis - wo soll das hinführen?

"Erst wenn X gemappt wurde, darf Y gemappt werden" halte ich für Unsinn. Wenn es sich um Daten handelt, mit denen OSM grundsätzlich etwas anfangen kann, sollte man nicht anfangen die Mapper da bevormunden zu wollen. Aber grundsätzlich muss man eine Grenze ziehen, welche Daten eben sinnvoll sind und welche nicht. Natürlich @lutz überlässt man das erstmal dem Augenmaß des Mappers und vertraut ihm. Aber bei so vielen Menschen, die an diesem Projekt mitarbeiten, hat eben nicht jeder Augenmaß und irgendwann kann man nicht mehr jeden einfach gewähren lassen. Wir revertieren aus gutem Grund, wenn jemand erfundene Städte einträgt. Und wir revertieren (bzw. würden das tun) aus gutem Grund, wenn jemand die Grenzen des Skythenreichs einträgt. Vielleicht sollten wir aus gutem Grund revertieren, wenn jemand die Grenzen der DDR einträgt. Vielleicht nicht. Aber irgendwo müssen wir diese Grenze ziehen. Nicht exakt, aber genauer als sie bis jetzt gezogen ist. Denn existieren tut sie ja schon, egal wie oft mancher behauptet es müsse sie nicht geben.

Und zum Thema Eisenbahn/Wasserstraßen/Strominfrastruktur: Dass hier so viel toleriert wird und so viel tolerierbar ist, liegt vor allem daran, dass es andere meist wenig stört. Eisenbahninfrastruktur ist räumlich von anderen Dingen getrennt, Wasserstraßen ebenso. Solange ich daran nichts ändern will, ist alles in Ordnung so weit. Oberirdische Stromleitungen sind zumindest sichtbar und relativ wenige, so dass man damit leben kann. Wenn mitten durch den Ort, den ich bearbeiten will aber plötzlich 20 historische Grenzen und dazu noch ein paar dutzend aktuelle, kleinteilige Grenzen (wie Schul- oder Kirchbezirke) verlaufen, dann stören die mich aber eben doch ganz massiv. Und es hilft eben nicht, die durch den Editor irgendwie leicht ausblenden zu können, denn die Daten stehen ja in Beziehung zueinander. Wenn ich jetzt ein Gebäude verschiebe, weil der, der es eingezeichnet hat, das Luftbild falsch ausgerichtet hatte, dann kann es sein, dass ich die Grenze mitverschieben müsste (weil der, der sie eingetragen hatte, keinen exakten Verlauf hatte, aber wusste, dass das Gebäude auf dieser Seite der Grenze sein muss) oder es kann sein, dass die Grenze da bleiben muss (weil sie eben doch exakt da eingezeichnet wurde). Und diese Entscheidung kann ich nicht treffen, wenn die Grenze mir gar nicht angezeigt wird, aber ich kann sie auch nicht treffen, wenn sie mir angezeigt wird, ich aber keine Informationen über den tatsächlichen Grenzverlauf habe.

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